• Ali Dönmez

Weiß-Bürgerliche N-Wort Debatten


Es muss echt hart sein, in der heutigen Zeit „Weiß und Bürgerlich“ zu sein. Stell dir vor, du wächst mit Bildern, Geschichten, Narrativen auf, die dir dein ganzes Leben lang vermittelt haben: die Welt gehört dir. Du kannst alles machen, was du möchtest. Sky is the limit.


Kein Schimpfwort kann dich als Gruppe herabwürdigen. „Die anderen“ müssen sich dir anpassen. Du kannst „Integration“ verlangen. Jegliche Institutionen sind auf dich zugeschnitten. Du bist Simba von König der Löwen. Alles, was das Licht berührt, ist dein Königreich.


Du bist einzigartig, ein Individuum, umgeben von den Kategorisierten. Den Ausländern. Den mit Migrationshintergrund. Den Schwarzen. Den Türken. Den „anderen“. Aber nach und nach ändert sich das. Plötzlich gibt es auch Kategorien für dich. Einen Namen für dich.


Und das ist ein echtes Scheißgefühl. In deinem eigenen Königreich wird dir plötzlich gesagt, dass du etwas nicht sagen darfst. Was soll das? Was haben plötzlich alle? Das ist immer noch dein Königreich und du wirst dich sicher nicht von den Kategorisierten kategorisieren lassen!


Du bist mächtig in deinem Königreich. Du kannst alles sagen, was du willst. Und sei es das N-Wort. Ist ja nur ein Wort. Und jetzt sind alle gemein zu dir. Das verletzt dich. Wörter können nicht verletzen. Aber du bist verletzt, weil die Verletzten dich Wörter nennen.


Es ist dein Königreich. Nur du kannst durch Wörter verletzt werden. Alle anderen nicht. Nicht mal durch das N-Wort. Aber wehe jemand nennt dich Weiß. Oder Weib. Oder alter Weißer Mann. Oder Boomer. Das ist verletzend. Das bist du nicht. Denn du bist Mensch. Nur du bist Mensch.

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